Bartholomäus Gesellschaft e.V.
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Podokoniose (Eine Form der Elephantiasis in Äthiopien)

Synonym(e): Podoconiosis, Podokoniose, mossy foot, non-infectious geochemical elephantiasis, non-filiarial elephantiasis,   elephantiasis nostras, einheimische Elephantiasis, Elephantiasis simplex)

 

Die Podokoniose ist eine - nicht durch Befall mit Fadenwürmern verursachte - Form der Elephantiasis, auch Elefantenfußkrankheit genannt. Es handelt sich um eine nichtinfektiöse, chronische  Erkrankung mit der Ausbildung von Lymphödemen (Schwellungen, Lymphstau) der unteren Beinabschnitte, die bei einer über Jahre barfuß laufenden und arbeitenden Landbevölkerung (Armutsfaktor)  in verschiedenen tropischen Regionen (Tropisches Afrika, Zentralamerika, Nordwest-Indien) auftritt. Niederschlagsreiche Regionen und Hochlagen über 1000 Meter sind besonders betroffen.

 

Als Ursache gelten das Eindringen von kleinsten Fremdkörpern (Silikatpartikel,  Aluminium-, Silikat-, Magnesium- und Eisenkolloiden roter Lateritböden meist vulkanischen Ursprungs) über winzige Verletzungen in die Haut, vermutlich auch in die intakte Haut, bei gleichzeitig vorhandener genetischer Prädisposition (erblicher Veranlagung) und treten familiär gehäuft auf.

In Zentralafrika wird die Zahl an Erkrankten auf 4 Millionen Menschen geschätzt. In Äthiopien allein auf  6% der ländlichen Bevölkerung.

Das Krankheitsbild der Podokoniose äußert sich durch massive Schwellungen an den Füßen und Beinen und beginnt meist schon im Kindesalter. Die zuerst eher unauffällig auftretende Erkrankung kann sich bei jahrzehntelangem Voranschreiten zu einer Form entwickeln, die Füße und Unterschenkel massiv anwachsen, verhärten und verwuchert erscheinen lässt. Verfärbungen, Versteifungen und Zusammenwachsungen der Zehen und Gelenke sind die Folge und prägen das  Krankheitsbild: Elephantiasis - Elefantenfußkranheit.  Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die, wie Verwucherungen wirkenden Erkrankungen, auch aufgrund von Sekundärinfektionen durch Bakterien, Pilze und Hautparasiten,  oftmals von starkem Geruch begleitete, entstellende Formen an.

Neben den sich daraus ergebenden Schmerzen und körperlichen Einschränkungen u.a. in der Mobilität, die sich in gravierender Weise in der zerstörten Möglichkeit der Arbeit im landwirtschaftlichen Bereich ergeben und somit zwangsläufig  zur völligen Verarmung der Familien führen können, besteht aufgrund der Unkenntnis der Bevölkerung über die Krankheitsursache, die Gefahr der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Stigmatisierung.

 

Die Behandlungsmöglichkeit dieser Form der Elephantiasis hängt ganz wesentlich vom Voranschreiten des chronischen Verlaufs ab und liegt in erster Linie im Bereich der Prävention, d.h. dem Schutz der Füße durch Schuhe und oftmals notwendigen maßgefertigten Schuhwerk vor den sich im Boden befindlichen, die Erkrankung auslösenden, mineralischen schädlichen Substanzen.   

 

Die Aufklärung der ländlichen Bevölkerung über Ursachen und die Bekämpfung  der Podokoniose ist, gerade vor dem Hintergrund der bestehenden extremen Armut, ein entscheidender Ansatzpunkt.

Die Behandlung in Frühstadien und Umsetzung entsprechender präventiver Maßnahmen kann das Voranschreiten der Erkrankung wirkungsvoll verhindern, die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium ist im Wesentlichen symptomatisch und nicht medikamentös heilbar.

Tägliches Waschen der Füße mit Seife und ggf. Behandlung  mit antiseptischen  Mitteln, pflegenden Cremes, Tragen von Strümpfen zur Kompression der geschwollenen Füße, Versorgung mit passendem/angepasstem Schuhwerk, Behandlung von Sekundärinfektionen, sowie Maßnahmen zum Abbau des Lymphstaus können das Voranschreiten stoppen, nicht aber zur Ausheilung bringen. 

In Fällen extremer Verwucherung, Verhärtung und Verwachsung können abtragende und lösende chirurgische Maßnahmen (Shaving-Operation) notwendig sein und zur Wiedererlangung einer Teilmobilität, der Linderung der Schmerzen und sozialer Beeinträchtigung/Ausgrenzung  sinnvoll sein.

Im Jahre 2011 wurde die Podoconiosis als -neglected tropical disease (vernachlässigte tropische Krankheit)- von der WHO anerkannt.

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